Silvan Wildhaber ist neuer Präsident von Economiesuisse. Seine Wahl am 28. Juni 2024 in Bern könnte die Schweizer Hotellerie entscheidend prägen – im Kampf gegen Personalmangel, Booking.com und regulatorischen Druck.
Die Weichen für die Schweizer Wirtschaft sind neu gestellt – und diese Entscheidung wird jeden Gast, der künftig in einem Schweizer Hotel übernachtet, direkt betreffen. Am 28. Juni 2024 wählte die Generalversammlung von Economiesuisse in Bern einstimmig Silvan Wildhaber, den CEO der Schweizerischen Post, zum neuen Präsidenten. Er folgt auf Christoph Mäder. Während sich die Hotellerie in einem kritischen Moment mit akutem Personalmangel, regulatorischem Druck und dem Kampf gegen mächtige Online-Plattformen wie Booking.com befindet, kommt diese Wahl einer strategischen Weichenstellung gleich. Wildhaber, ein Pragmatiker mit tiefen Wurzeln in Digitalisierung und Logistik, könnte genau der Wirtschaftslenker sein, den der Tourismussektor jetzt braucht.
Ein einstimmiger Entscheid mit Signalwirkung für die Hotellerie

Die Wahl von Silvan Wildhaber zum Präsidenten von Economiesuisse war nicht nur formal, sondern ein starkes Signal. Die einstimmige Wahl während der Generalversammlung in Bern unterstreicht den breiten Rückhalt, den der 52-Jährige in der Wirtschaft geniesst. Er übernimmt das Amt von Christoph Mäder, der nach einer vierjährigen, von der Pandemie und ihren Folgen geprägten Amtszeit zurücktritt. Für die Hotellerie, die sich aktuell in einer Sammelklage gegen Booking.com befindet und unter hohen Provisionen leidet, ist dieser Führungswechsel von grosser Bedeutung. Economiesuisse ist die mächtigste Wirtschaftsdachorganisation der Schweiz. Die Position, die sie künftig zu Themen wie Arbeitskräftezuwanderung, Regulierung und internationaler Wettbewerbsfähigkeit bezieht, wird die Spielräume der Hotelbetriebe massgeblich definieren.
Wer ist Silvan Wildhaber? 5 Fakten zum neuen Wirtschaftslenker



Silvan Wildhaber ist kein unbeschriebenes Blatt, sondern bringt ein Profil mit, das für die modernen Herausforderungen der Hotellerie wie zugeschnitten scheint. Seine Karriere liefert klare Indizien für seinen künftigen Kurs.
- Vom Berater zum CEO: Wildhaber begann seine Laufbahn beim Beratungsunternehmen McKinsey, wechselte dann zu Swisscom, wo er verschiedene Führungspositionen innehatte, und leitet seit 2021 als CEO die Schweizerische Post. Diese Stationen prägten einen pragmatischen und lösungsorientierten Führungsstil.
- Digitalisierungsexperte: Seine Zeit bei Swisscom und der Transformationsprozess bei der Post machen ihn zum profunden Kenner der digitalen Ökonomie – ein Wissen, von dem gerade traditionelle Branchen wie die Hotellerie profitieren können.
- Logistik- und Netzwerkspezialist: An der Spitze der Post verantwortet er eines der dichtesten Logistiknetzwerke des Landes. Dieses Verständnis für komplexe Systeme und Vernetzung ist entscheidend, um die Schweiz als Reiseziel effektiv zu vermarkten.
- Verfechter der Wettbewerbsfähigkeit: Wildhaber hat sich wiederholt für den Standort Schweiz und seine internationale Anbindung ausgesprochen. In einer Zeit, in der Destinationen weltweit um Gäste konkurrieren, ist diese Haltung essenziell.
- Vernetzt in Politik und Wirtschaft: Durch seine bisherigen Ämter verfügt er über ausgezeichnete Kontakte in Bundesbern und zu anderen Wirtschaftsverbänden, was ihm ermöglicht, die Anliegen der Hotellerie effektiv zu vertreten.
Warum Hotels von Wildhabers Wirtschaftspolitik profitieren

Die Agenda des neuen Economiesuisse-Präsidenten deckt sich mit den drängendsten Problemen der Hotellerie. Sein Fokus liegt auf vier zentralen Säulen, die alle direkt auf die Hotelbetriebe durchschlagen werden.
Arbeitskräftemangel
Mit bis zu 15% offenen Stellen ist dies die existenzielle Krise der Branche. Wildhaber wird sich für praktikable Lösungen bei der Zuwanderung von Fachkräften starkmachen, insbesondere für Saisonstellen, die das Rückgrat vieler Berg- und Stadthotels bilden.
Digitalisierungsoffensive
Seine Expertise wird entscheidend sein, um kleine und mittlere Hotelbetriebe bei der technologischen Modernisierung zu unterstützen – ein Schritt, der nicht nur die Effizienz steigert, sondern auch im Wettbewerb mit globalen Plattformen unerlässlich ist.
Internationale Vernetzung
Eine starke, global agierende Schweizer Wirtschaft zieht Geschäftsreisende und Investoren an. Wildhabers Engagement für den Wirtschaftsstandort stärkt indirekt auch die Attraktivität der Schweiz als Reiseziel.
Nachhaltigkeitsagenda
Hier wird es darauf ankommen, eine Balance zwischen ökologischen Zielen und wirtschaftlicher Tragfähigkeit zu finden. Investitionen in nachhaltige Hotelinfrastruktur müssen gefördert, aber ohne erstickende Regulierung umgesetzt werden können.
Die 3 grössten Herausforderungen für Schweizer Hotels



Vor diesem neuen wirtschaftspolitischen Hintergrund kämpft die Schweizer Hotellerie weiterhin mit handfesten Problemen. Die Lage ist angespannt, wie aktuelle Schlagzeilen zeigen.
- Personalmangel: Die Situation ist prekär. Vom Service bis zur Küche fehlen qualifizierte Kräfte. Dies gefährdet die Servicequalität, für die Schweizer Hotels weltberühmt sind, und zwingt Betriebe, ihre Angebote einzuschränken.
- Regulatorischer Druck: Neue Vorschriften zu Energie, Nachhaltigkeit und Arbeitsbedingungen bedeuten hohen administrativen Aufwand und Kosten. Für viele Familienbetriebe in touristischen Regionen ist dies eine enorme Belastung.
- Internationaler Wettbewerb und Plattformmacht: Günstigere Destinationen und die marktbeherrschende Stellung von Buchungsportalen wie Booking.com setzen die Preise und Margen unter Druck. Die aktuelle Sammelklage zehntausender europäischer Hotels, der sich auch Schweizer Betriebe anschliessen, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Themas.
So positioniert sich Economiesuisse zur Hotellerie

Unter Wildhabers Führung wird Economiesuisse voraussichtlich eine klare Linie in tourismuspolitischen Fragen fahren. Die Interessen der Hotellerie als wichtiger Wirtschaftsfaktor werden dabei zentral sein. Konkret bedeutet das:
Die Organisation wird sich weiterhin für vereinfachte Arbeitsbewilligungen für dringend benötigte Saisonkräfte aus dem Ausland einsetzen. Zudem wird sie Rahmenbedingungen fördern, die Investitionen in nachhaltige Infrastruktur attraktiv machen, sei es in energieeffiziente Gebäudetechnik oder in Angebote, die den Wellness-Trend Longevity bedienen. Ein weiterer Schwerpunkt wird der Kampf gegen übermässige Regulierung sein, die innovative Hotelkonzepte und die tägliche Betriebsführung behindert. Nicht zuletzt gilt es, die Schweizer Qualität und das handwerkliche Können im Gastgewerbe als einzigartiges Verkaufsargument zu erhalten und zu fördern.
Was Hotelgäste von der neuen Wirtschaftspolitik erwarten können
Die wirtschaftspolitischen Weichenstellungen in Bern sind für Gäste nicht abstrakt, sondern werden im Hotelzimmer und am Restauranttisch spürbar. Unter einer erfolgreichen Politik könnten sich für Gäste konkrete Vorteile ergeben.
Eine Entschärfung des Personalmangels würde zu einer stabileren Servicequalität führen. Gäste müssten weniger lange auf ihr Zimmerfrühstück warten und könnten sich auf einen reibungslosen Ablauf verlassen. Die geförderte Digitalisierung bringt innovative Serviceangebote hervor – von nahtloser Online-Check-in-Erfahrung bis hin zu personalisierten digitalen Gäste-Guides für die Region. Eine smarte Nachhaltigkeitspolitik ermöglicht es Hotels, ökologisch verantwortungsvoll zu handeln, ohne dass der Komfort oder der Genuss darunter leiden muss. Und schliesslich können effizientere Prozesse und ein fairerer Wettbewerb dazu beitragen, dass die Preise für Übernachtungen attraktiv und im Verhältnis zur gebotenen Qualität stehen.
Ihre Meinung zählt: Wie erleben Sie die Schweizer Hotellerie?
Die Zukunft der Schweizer Hotellerie wird nicht nur in den Vorstandsetagen von Economiesuisse oder in Gerichtssälen gegen Booking.com entschieden. Sie wird von jedem Gast mitgestaltet. Ihre Erfahrungen sind ein wertvoller Massstab.
- Haben Sie in letzter Zeit unter Personalengpässen in Ihrem Lieblingshotel gelitten? Wo wurde es spürbar?
- Welche digitalen Services wünschen Sie sich für Ihren nächsten Hotelaufenthalt? Eine App für alle Hotel-Services oder lieber den persönlichen Kontakt?
- Wie wichtig ist Ihnen das Thema Nachhaltigkeit bei der Buchung? Sind Sie bereit, für ein klimaneutrales Hotel mehr zu bezahlen?
- Was macht für Sie den Charme eines Schweizer Hotels aus – ist es die traditionelle Gemütlichkeit oder moderner Luxus wie im ausgezeichneten «Omnia» in Zermatt?
Die Debatte ist eröffnet. Teilen Sie Ihre Gedanken und Erlebnisse mit uns und anderen Lesern auf hotelstern.ch. Gemeinsam können wir ein Bild zeichnen, wie die Schweizer Hotellerie nicht nur überlebt, sondern gestärkt aus der aktuellen Krise hervorgeht. Engagieren Sie sich – die Zukunft Ihrer Reiseerlebnisse beginnt mit Ihrer Meinung.
