In Bordei verbindet die Osteria Giardino vegetarische Spitzenküche mit der Ruhe der Centovalli – ein Ort, wo Natur und Genuss eins werden.
Die Sonne klettert über die Hänge der Centovalli und taucht das Dorf Bordei in ein warmes, klares Licht. Zwischen alten Steinhäusern, gepflegten Beeten und dem leisen Rauschen des Waldes liegt ein Ort, der wie eine Verheissung wirkt: die Osteria Giardino. Hier, wo die Natur nicht Kulisse ist, sondern Küchenchef und Komplize zugleich, entsteht eine Idee von Gastlichkeit, die weit über den Teller hinausreicht.
Es ist die Stille, die einen zuerst umfängt. Dann der Duft von Kräutern, feuchter Erde und frischem Brot, der aus dem offenen Fenster dringt. Die Osteria Giardino ist ein Haus, das sich nicht in den Vordergrund drängt, sondern ganz selbstverständlich in sein Umfeld fügt. Das Villaggio di Bordei, ein Weiler aus Naturstein und Holz, wirkt nach einer Zeitreise, und doch ist dieser Ort alles andere als vergangen. In ihm trifft uraltes Wissen auf die Vision eines Mannes, der die vegetarische Gourmetküche Europas geprägt hat.
Es gibt Orte, die spürt man bereits mit den Füssen, noch bevor man sie mit den Augen erfasst. Bordei gehört dazu. Auf Schritt und Tritt begegnen sich gepflegte Gemüsebeete und verwunschene Winkel, durchbrochen von Bächen, die sich talwärts schlängeln. Inmitten dieser Landschaft hat die Osteria Giardino ihren Platz gefunden – ein Restaurant, das nicht einfach serviert, sondern erzählt. Die Erzählung handelt von biologischen Zutaten, die oft aus dem direkt umliegenden Anbau stammen, von Saisonen, denen man vertrauen kann, und von einer Küche, die mit Würde und Respekt vor der Schöpfung arbeitet.
Dahinter steht Pietro Leemann, ein Koch, der längst mehr ist als ein Küchenchef. Als Pionier der vegetarischen Gourmetküche hat er den Diskurs über bewusstes Essen über Jahrzehnte geprägt. Meditative Ruhe, fernöstliche Philosophie und eine fast schon poetische Sensibilität für Aromen verbinden sich in seiner Haltung. In der Osteria Giardino übersetzt er diesen Anspruch in eine Sprache der Berge: einfach, authentisch und von einer Klarheit, die man als Reinheit erlebt. Leemanns Handschrift ist nicht das Dekor, sondern die Essenz – jedes Gericht ist ein Statement für eine Küche, die den Menschen ebenso nährt wie die Landschaft, aus der sie schöpft.
Mittags öffnet sich die Karte für jene, die zufällig vorbeikommen oder ganz bewusst einkehren. Von Dienstag bis Freitag lädt eine sorgfältig komponierte Auswahl zum Verweilen ein – unprätentiös, aber mit Hingabe zubereitet. Abends dann, wenn die Dunkelheit die Gipfel küsst, verwandelt sich das Restaurant in eine Bühne für ein Degustationsmenü, das die Gäste auf eine Reise durch die pflanzliche Vielfalt der Alpen mitnimmt. Überraschungen aus dem Garten und von den umliegenden Feldern treffen auf Wolken aus Kräutern, Wurzeln und Blüten. Alles ist biologisch, alles ist lokal – und doch nie belehrend. Es ist die Leichtigkeit des Seins, die hier serviert wird, begleitet von Weinen, die das Terroir atmen.



Die Räume der Osteria sind eine Fortsetzung dieser Philosophie mit anderen Mitteln: warme Holztöne, klare Linien, Tücher wie Schnee und Geschirr, das die Farben der Speisen erstrahlen lässt. Grosse Fenster öffnen den Blick nach draussen, wo sich Terrasse und Garten in die Landschaft schmiegen. Ein Gast, der hier verweilt, wird Teil eines stillen Schauspiels, das sich täglich neu entfaltet. Oben am Hang kündigt ein Gemäuer eine weitere Dimension an: Die Osteria Giardino ist Teil eines Ökovillages, einem spirituellen Zentrum, das Begegnung, Achtsamkeit und Kultur in den Vordergrund stellt. Dieses Gefühl von Sinnhaftigkeit durchdringt das ganze Haus – man spürt, dass es hier um mehr geht als um die reine Gastronomie.
Übernachten, wo die Zeit nicht drängt
Wer sich ganz fallen lassen möchte, findet ein paar Schritte entfernt in den sieben Zimmer(n) des Hauses einen Rückzugsort, der bewusst schlicht und doch wohltuend eingerichtet ist. Keine überflüssigen Details, keine aufdringliche Eleganz – stattdessen Stille, frische Bergluft und ein Bett, das nach einem langen Abend am Kamin zum Versprechen wird. Die Nächte in Bordei sind von einer Dunkelheit, die man fast greifen kann, und von einer Ruhe, die den Schlaf zu etwas Beinahe Heiligem macht. Am Morgen der Duft von Kaffee und warmem Brot, das Licht, das durch die Jalousien fällt – und das Wissen, dass draussen ein Tal liegt, das noch vieles birgt.
Die Osteria Giardino ist mehr als ein Ziel für Geniesser: Sie ist ein Ort, an dem die Haltung zur Haltung wird. Die Berge bieten hier nicht nur die Kulisse, sie fordern nichts, sie flüstern nur. Und doch geht man aus diesem Haus heraus mit dem Gefühl, ein Stück von dieser Klarheit mitgenommen zu haben. Es ist eine Einladung, den eigenen Massstab zu verlassen, um zu spüren, was wirklich zählt: die Güte der Natur, die Sorgfalt des Handwerks und die Poesie des Augenblicks. Ein Besuch in Bordei ist kein Ausflug – es ist eine Rückkehr zu dem, was uns fehlt.
Schlagwörter
Vegetariano. Biologico. Profondamente locale.




